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Taufe (Illustration) Walter Gadea / Unsplash (CC0)
 

Wortbrücke Quasimodogeniti – Sonntag, den 12. April 2026

wie neugeboren

Seit den 1980ern war es auch in der DDR möglich, als Vater bei der Geburt dabei zu sein. Ich habe die Geburten meiner Söhne noch sehr gut in Erinnerung. Der Eintritt ins Leben beginnt mit einem Schrei. Ein Neugeborenes muss schreien. Darauf warten sie alle, die dabei sind, im Kreißsaal oder unter bedrohlichen Verhält- nissen, im U -Bahnschacht, oder irgendeinem Ort in dieser Welt. Dann lebt es und der Anfang ist gesetzt. Der Anfang vom Anfangen, denn wir stehen immer und immer wieder an einem Anfang und nie am Ende. In die Welt geworfen und ins Leben – so liegt es da, das Neugeborene. In die Welt geworfen und ins Leben – so liegt ein Mensch am Ostermorgen und an jedem Morgen da, an dem er oder sie die Augen öffnet. Wir stehen immer wieder am Anfang, nie am Ende.

Wir stehen immer wieder am Anfang, nie am Ende. Wird diese Haltung mir zur Muttermilch, komme ich der Auferstehung und dem Neugeboren sein sehr nah. Die Auferstehung ist die Zusicherung, dass jedes Ende der Anfang eines neuen ist. Aber halten wir es aus, dem Anfang mehr zu vertrauen als dem Ende? Neugeboren sein – wie ein Kind – ist doch nichts anderes als den Weg zu Gott suchen, hinein in die eigene Tiefe und den Kern dieser Welt.

Es gibt eine wahre Begebenheit im Leben meines Vaters. Er lag im Krieg mit Lungen- durchschuss auf dem Sterbebett im Lazarett. Der Kath. Priester und ev. Pastor fragten nach dem letzten Wunsch. Die verblüffende, ja provokante Antwort meines Vaters an die beiden Geistlichen: „Eine Flasche Sekt“. Ein Wunder: Er überlebte und es gab eine radikale Wende. Aus dem Offizier wurde ein antifaschistischer Widerstandskämpfer. Wenn Menschen nach einem Unglück oder einer schweren, überstandenen Krankheit sagen: Sie haben zweimal im Jahr Geburtstag, dann ist es oft so, dass sie dieses zweite, geschenkte Leben viel intensiver leben als das erste Leben. Bei meinem Vater konnte ich das später so erleben.

Gilt das auch für uns? Wir haben ein zweites Leben geschenkt bekommen. Wir sind getauft. Alles das Alte, alles, was in den Bereich des Todes gehört, ist nicht mehr da. Nicht vor Gott. Es mag sein, dass es in unserem Leben vieles gibt, was uns wieder davon abbringen will und manchmal vielleicht auch kann. Aber unser neues Leben hat schon begonnen. Gott hat uns lebendig gemacht durch die Taufe. „Was ist’s denn, dass die Taufe bedeutet? Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden… und wiederum täglich ein neuer Mensch hervorkomme und auferstehe, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe.“ (Luther; Kleiner Katechismus) – Wir stehen immer wieder am Anfang, nie am Ende.

Thomas Lösche, Religionspädagoge